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Praxis & KI

Drei Abläufe, bei denen kleine Betriebe KI zuerst prüfen können

Anfragen ordnen, Antworten vorbereiten, Informationen aufbereiten: So lässt sich KI im kleinen Rahmen prüfen, ohne gleich den Betrieb umzubauen.

Lesezeit: ca. 3 Minuten

1. Anfragen in eine klare Struktur bringen

Wer KI im Betrieb einsetzen möchte, muss nicht mit einem großen Projekt beginnen. Ein sinnvoller erster Kandidat ist eine wiederkehrende Aufgabe, deren Ergebnis sich leicht prüfen lässt. Zum Beispiel: aus einem unübersichtlichen Text eine strukturierte Übersicht machen.

Eine Anfrage an einen Handwerksbetrieb kann mehrere Informationen enthalten: die gewünschte Leistung, einen Terminwunsch und offene Fragen. KI kann daraus einen Vorschlag für eine geordnete Zusammenfassung erstellen. Ebenso kann sie markieren, welche Angaben noch fehlen.

Für einen ersten Versuch reichen vollständig erfundene Beispiele. So lässt sich prüfen, ob das Werkzeug die wesentlichen Informationen erkennt und fehlende Angaben tatsächlich offenlässt. Es darf beispielsweise keinen Termin ergänzen, den niemand genannt hat.

Wichtig ist auch die einfachere Alternative: Wenn Informationen regelmäßig fehlen, kann ein klareres Formular wirksamer sein als KI. Feste Auswahlfelder und verständliche Hinweise lösen manche Probleme zuverlässiger.

Mein Maßstab wäre deshalb: Hilft KI bei wechselnden, unstrukturierten Texten? Oder lässt sich die Aufgabe mit wenigen festen Regeln erledigen? Erst diese Unterscheidung macht aus einer technischen Idee eine brauchbare Verbesserung.

2. Antworten vorbereiten, bevor sie jemand versendet

Ein zweiter möglicher Einstieg sind Antwortentwürfe für wiederkehrende Fragen. Beispielsweise kann KI aus freigegebenen Informationen einen Vorschlag zu Öffnungszeiten oder zum Ablauf einer Terminanfrage formulieren.

Die Grundlage muss stimmen. Das Werkzeug sollte nur Angaben verwenden, die der Betrieb bereitgestellt hat. Fehlende Informationen müssen als offen erkennbar bleiben. Preise, verfügbare Termine oder Zusagen dürfen nicht hinzuerfunden werden.

Am Anfang sollte jeder Entwurf von einem Menschen geprüft werden. Stimmen Inhalt und Ton? Beantwortet der Text die Frage? Enthält er ein Versprechen, das der Betrieb nicht geben kann?

Ein vollständig erfundener Testfall könnte lauten: Eine kleine Werkstatt erhält eine Anfrage, in der die gewünschte Leistung unklar bleibt. Die KI bereitet eine höfliche Rückfrage vor. Ob diese Rückfrage passt und versendet wird, entscheidet weiterhin ein Mensch.

Auch hier lohnt der Vergleich mit einer einfachen Vorlage. Wenn fast immer dieselbe Antwort gebraucht wird, kann ein gepflegter Textbaustein schneller und verlässlicher sein. KI wird eher interessant, wenn Aufbau und Formulierung häufig angepasst werden müssen.

3. Eigene Informationen verständlich aufbereiten

Der dritte Kandidat ist das Überarbeiten eigener, nicht vertraulicher Inhalte. Aus einer freigegebenen Leistungsbeschreibung kann KI beispielsweise einen kürzeren Website-Entwurf oder eine übersichtliche Fragenliste vorbereiten.

Dabei sollte die Aufgabe eng beschrieben sein: Welche Zielgruppe liest den Text? Welche Fakten müssen erhalten bleiben? Welche Aussagen sind nicht erlaubt? Ein brauchbarer Auftrag wäre etwa: „Formulieren Sie diese Beschreibung verständlicher. Ergänzen Sie keine Leistungen, Eigenschaften oder Erfolgsversprechen.“

Vor dem Einsatz mit echten Informationen muss geklärt sein, welche Daten das gewählte Werkzeug verarbeiten darf. Personenbezogene oder vertrauliche Angaben gehören nicht ungeprüft in einen KI-Dienst.

Ob sich der Versuch lohnt, zeigt ein kleiner Vergleich: dieselben erfundenen Aufgaben einmal mit dem bisherigen Vorgehen und einmal mit KI bearbeiten. Dabei die gesamte Zeit erfassen, einschließlich Eingabe, Prüfung und Korrektur. Zusätzlich festhalten, ob wichtige Angaben fehlen oder Fehler entstehen.

Erst wenn bei vergleichbarer Qualität weniger Gesamtaufwand entsteht, gibt es einen belastbaren Nutzen. Mein Vorschlag für den Einstieg: einen Ablauf auswählen, mit synthetischen Beispielen testen und danach entscheiden. Die nächste Automatisierung kann warten, bis die erste ihren Zweck erfüllt.

Verantwortlich für den Inhalt: Julian Marhauer, Anschrift siehe Impressum.

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